HGG.2018-12

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HGG.Kommentare

Das Hoch-N-Netzwerk und seine Aktivitäten

Im Oktober 2018 wurde ich eingeladen, "Teil von HOCH^N, dem deutschen Netzwerk für eine nachhaltige Hochschullandschaft" zu werden. Im Rahmen dieses vom BMBF geförderten Projekts soll ein bundesweites Netzwerk entstehen, "das die nachhaltige Entwicklung an deutschen Hochschulen über neue Kollaborationsangebote vorantreibt. Wir laden Sie und Ihre Hochschule herzlich ein, ein Teil von HOCH^N zu werden und vom kollegialen Erfahrungsaustausch zu profitieren." (Quelle). Das Netzwerk wird am Kompetenzzentrum Nachhaltige Universität der Universität Hamburg koordiniert, Ansprechpartner für den "Kundenbereich" ist Wolfgang Denzler, das Arbeitspaket "Vernetzung" wird von Dr. Claudia T. Schmitt, zusammen mit Prof. Dr. Georg Müller-Christ von der Uni Bremen, geleitet.

Zum Vernetzungsteil heißt es im Flyer:

Mit jedem neuem Partner kann sich die Karte mit weiteren grünen Waben füllen und die nachhaltige Hochschullandschaft kann noch breiter und intensiver vernetzt werden. Partner für eine nachhaltige Hochschullandschaft können als Einzelperson oder in einem weiteren Schritt im Rahmen ihrer jeweiligen Institution auch als Teil einer Partnerhochschule von unserem wachsendem Netzwerk profitieren.

Neben den 11 Verbundhochschulen, die unmittelbar an der Umsetzung des Projekts beteiligt sind, habe ich aktuell (07.03.2019) nach Auswertung der Infobox rechts oben auf der Nachhaltigkeitskarte 172 Einzelpersonen sowie 4 Partnerhochschulen gezählt (dazu im Suchfeld in der Infobox "Partner" eingeben). Von der Uni Leipzig (Suche ebenso) sind bisher dabei

  • apl. Prof. Dr. Hans-Gert Gräbe
  • Prof. Dr.-Ing. habil. Ulrike Weiland

Die Arbeit ist in sechs Handlungsfelder

  • Nachhaltigkeitsberichterstattung
  • Governance
  • Lehre
  • Forschung
  • Betrieb
  • Transfer

mit unterschiedlichen Projektteams aufgeteilt. Die Projektteams berichten auf den eigenen Unterseiten über die bisher erzielten Ergebnisse. Hauptergebnis sind die bisher erstellten Leitfäden (alle Oktober 2018)

  • Anwendung des hochschulspezifischen Nachhaltigkeitskodex - ein Weg zur Nachhaltigkeitsberichterstattung an Hochschulen
  • Nachhaltigkeitsgovernance an Hochschulen
  • Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) in der Hochschullehre
  • Nachhaltigkeit in der Hochschulforschung
  • Nachhaltigkeit im Hochschulbetrieb
  • Transfer für nachhaltige Entwicklung an Hochschulen

zu jedem der Handlungsfelder.

Es stellt sich natürlich die Frage, auf welchem Nachhaltigkeitsverständnis diese Leitfäden aufsetzen. Hierzu wurde im September 2018 ein Konzeptpapier "Nachhaltigkeitsverständnis des Verbundprojekts HOCH^N" veröffentlicht. Spannend ist die Argumentationsbasis, die ausgehend von den (allerdings nur implizit referenzierten) 17 Sustainable Development Goals einen sehr spezifischen operationalen Zugang favorisiert, der den Fokus auf methodische Weichenstellungen richtet, aus dem sich der Rest schon ergeben wird. Damit rückt die Prozessdimension von Transformation und Wandlung in den Vordergrund, die in den Leitfäden weiter heruntergebrochen wird. Eine Verständigung über Inhalte scheint gegenüber der Direktive, sich "auf den Weg zu begeben", in den Hintergrund zu rücken.

Damit wird eine Reihe aus meiner Sicht weitgehend unabgegoltener Komponenten des Nachhaltigkeitsdiskurses - insbesondere über dessen Spezifika in einer hochtechnisierten Gesellschaft, wie wir dies über viele Jahre in unseren Interdisziplinären Gesprächen thematisiert haben - nicht mehr thematisiert. Man steht auch agnostisch gegenüber wichtigen Impulsen wie den Berichten des Club of Rome, Autoren wie Klaus Mainzer oder Jochen Spangenberg oder dem inzwischen über 10 Jahre alte Memorandum «Nachhaltige Informationsgesellschaft», die an die Nachhaltigkeitsfrage noch klare inhaltliche Maßstäbe anlegen.

Entsprechend selektiv scheint auch die Themenauswahl für den Newsletter des Netzwerks zu sein. Informationen

auf denen aus unserer Sicht wichtige Nachhaltigkeitsansätze thematisiert wurden, blieben jedenfalls sowohl in der Ankündigung als auch in der bei uns üblichen ausführlichen Nachberichterstattung unbeachtet.

Auch gibt es bisher keine Kontakte zwischen den Leipziger Netzwerk-Mitgliedern.

Hans-Gert Gräbe, 08.03.2019