Attac.DenkTankStelle.2011-12-05

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DenkTankStelle von Attac-Leipzig

Thema: Geld heute
Ort und Zeit: Mo, 05.12.2011, 19 Uhr im Café Grundmann

Ankündigung

  • Ist "unser" Geld (Erspartes, Konto) wirklich "unser" Geld
  • Wie wichtig ist Geld für unser Zusammenleben?
  • Wie wäre es mit alternativem Geld?

und weitere Fragen wären zu besprechen.

Hinweis von HGG:

Hinweis von Jens Dechering:

Frage von JAGG: IST INSBESONDERE PKT: 4 DORT in www.mlwerke.de... RICHTIG ( i.S.v.exakt) ZITIERT?

Thesen von Jürgen Eck, 22.11.2011

1. Geld allgemein:

1.1. Geld lebt vom Vertrauen, was weniger durch Versprechungen entsteht als durch Wertgegenstände, mit denen es gedeckt ist und in die es notfalls eingelöst werden kann.

1.2. Die frühere Golddeckung des Geldes gab den Geldbesitzern das Recht, bei der Notenbank ihre Geldscheine in Gold umzutauschen.

1.3. Bargeld als Anspruch gegen den Herausgeber Notenbank wird heute im Prinzip gedeckt durch diejenigen Wertpapiere, die die Bank als Pfand gegen das verliehene Bargeld entgegengenommen hat. Indem z.B. die EZB vermehrt Wertpapiere schlechterer Qualität akzeptiert, unterhöhlt sie bewusst das Fundament des Euro. Die Wertpapiere dokumentieren eine Schuld eines Ausstellers dem Inhaber der Wertpapiere gegenüber. Also beruht Bargeld auf einer Schuld, wir haben „Schuldgeld“. Es ist so wertvoll wie die Leistungsstärke der dahinterstehenden Schuldner, z.B. Staaten.

1.4. Buchgeld in Form von Geld auf dem Girokonto, als Festgeld usw. ist nichts als ein Anspruch auf Bargeld gegen die jeweilige Bank des Kunden und ist nicht mit Bargeld zu verwechseln.

1.5. Im Krisenfall kann es ein großer Unterschied sein, Bargeld zu halten und damit gegenüber der Zentralbank Ansprüche zu besitzen, oder sich in Form einer Geldeinlage bei einer Geschäftsbank auf Ansprüche gegen diese zu verlassen.

2. Erzeugung von Geld:

2.1. Während allein die EZB Bargeld herausgeben darf, ist es den Geschäftsbanken erlaubt, bei der Vergabe von Krediten durch einfaches Einbuchen beim Kunden Buchgeld in einer Höhe zu schaffen, das ihre Kundeneinlagen um ein Vielfaches übersteigt, und dafür Zinsen zu verlangen. Früher fielen solche risikolosen Geldschöpfungsgewinne (Münzprägung) dem Adel zu, heute beschenkt der Gesetzgeber private Banken.

2.2. Mit dem Buchgeldverleih erhöhen sich so einerseits die Bankgewinne, andererseits zeigt sich am Markt eine künstlich aufgeblähte Nachfrage insofern, als hierbei zukünftige Einnahmen schon in der Gegenwart wirken. Entspricht die Nachfrage echten Bedürfnissen, stellt sich das Risiko zukünftiger Nachfrage- und Produktionsrückgänge. Sonst entstünden Produktionskapazitäten und Produkte rein aus Spekulation (Betonburgen in Spanien), oder die Preise von Immobilien, Aktien usw. steigen spekulativ auf nicht begründbare Höhen.

2.3. Banken können sich bei der Notenbank Bargeld beschaffen, indem sie es sich gegen Pfand und auf eine bestimmte Zeit leihen. Die Notenbank kann mittels Höhe des Betrags, der Zinsen und Leihdauer die Geldmenge in der Wirtschaft steuern, und dies fortlaufend bei jeder Kreditverlängerung. Wegen sinkender Bedeutung des Bargelds gelingt diese Steuerung immer weniger, so dass sie jetzt ihre Geldpolitik umsetzt, indem sie die Leitzinsen steuert.

2.4. Das verliehene Buchgeld ist aus Banksicht entweder durch Sachwerte gedeckt (Hausbau), oder ungedeckt im Vertrauen auf die künftige Zahlungsfähigkeit des Kunden.

2.5. Ein Verbraucherkredit hat zur Voraussetzung, dass zuvor andere Bürger oder Firmen Geld mindestens in derselben Kredithöhe Geld angelegt (eingezahlt) haben.

2.6. Geldangebot und Geldnachfrage könnten sich stets bei einer bestimmten Zinshöhe im Gleichgewicht befinden, ohne Willkür, rein über den Markt. Bei großem Geldangebot müsste sich dann auch ein negativer Zins einpendeln können. Wegen möglicher Geldhortung bei Nullzins ginge dies nur mittels Bargeldabschaffung.

3. Weltwährung US-$

3.1. Bis 1971 war der US-$ als Weltleitwährung für Notenbanken goldgedeckt (1 Unze Gold = 35 US-$), stand in einem festen Verhältnis zu allen anderen Währungen, so dass z.B. die deutsche Bundesbank ihre Bestände an US-$ bei der FED (US-Notenbank) in Gold hätte umtauschen können.

3.2. Bis 1971 war die Golddeckung ein ausreichender Grund für alle Welt, den US-$ als Devisenreserve zu halten und als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Danach sorgte die USA dafür, dass es eine „Öldeckung“ für ihn gab, indem, notfalls mit Gewalt (z.B. Irak) durchgesetzt, überall Öl nur gegen US-$ verkauft werden durfte. Die so gesicherte ständige Nachfrage nach US-$ festigte seinen Weltwährungsstatus und erlaubte es so den USA als einzigem Staat, mittels Gelddrucken, also ohne Exportanstrengungen, auf Dauer ausländische Waren einzukaufen.

3.3. Zwar wird der Notenbankchef von der US-Regierung eingesetzt, jedoch steht die FED im Eigentum von privaten Großbanken, die damit, einmalig in der Welt, die Landeswährung erzeugen und Einfluss auf die Geldpolitik ausüben dürfen, was Spekulationsgewinne ohne Risiko ermöglicht.

4. Geld und Politik:

4.1. Die Notenbanken sollten eine Politik verfolgen, die allein dem Geldwert verpflichtet ist, weil Inflation die Wirtschaft schädigt.

4.2. Eine goldgedeckte Währung ist deshalb nachteilig, weil sie keine Möglichkeit bietet, durch willkürliche Ausweitung der Geldmenge Inflation zu erzeugen, die für eine stille und relativ schmerzarme Umverteilung von Vermögen und Einkünften sorgen kann. Und wie sollten denn sonst Kriege finanziert werden?

4.3. Ebenso lässt sich das Schuldenproblem der Staaten durch bewusste Inflationierung lösen, und dadurch sind Gewalt und Unruhen am ehesten vermeidbar.

4.4. Es ist schädlich, wenn eine Notenbank unabhängig von der Regierung wirken darf, da sich Zielkonflikte ergeben können, die die Effektivität verringern.

4.5. Inzwischen erscheint eine Abschaffung von Bargeld und stattdessen alleinige Kartenzahlung denkbar, wodurch Gewalt, Kriminalität und Drogen zurückgedrängt werden könnten, abgesehen von praktischen Vorteilen im Alltag. Dies sollte angestrebt werden.

4.6. Verringert sich der private Verbrauch, z.B. durch sinkende Reallöhne, Marktsättigung, Zukunftsängste usw. bleibt der Wirtschaft zwecks Auslastung nur ein Ausweichen auf den Export, oder der Staat gibt mehr aus bzw. fördert den Konsum.

4.7. Das dafür nötige Geld ist durch Steuern und/oder neue Schulden erreichbar. Weil Beides Grenzen hat sind Krisen unvermeidlich.

4.8. Deutschland hat in den letzten Jahren nicht über seine Verhältnisse gelebt, da jährlich Waren/Dienstleistungen im der Höhe von um die 200 Mrd. Euro mehr aus dem Land hinausflossen als herein.

4.9. Hinter den gewaltigen Kreditvergaben, auch an Schuldner schlechter Qualität, und den letztendlichen Schuldenstreichungen, also Geschenken, steckt die ökonomische Situation, dass immer weniger Menschen bzw. Regionen erforderlich sind, die für alle notwendigen Güter/Dienstleistungen zu erzeugen. Eine Ausgrenzung entsteht dadurch jedoch allein aus dem Gewinn- und Wettbewerbsprinzip beim Wirtschaften, was zu Kostensenkungen bei Lohn, Steuern usw. zwingt.